Leipziger Buchpreis geht an Omri Boehm

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Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2024 wird dem deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm für sein 2022 erschienenes Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits der Identität“ verliehen.

In ihrer Begründung schreibt die Jury: „Der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung 2024 geht an den israelisch-deutschen Philosophen Omri Boehm für die Konsequenz, mit der er den Kern des humanistischen Universalismus, die Verpflichtung zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, gegen jegliche Relativierung verteidigt. In seinem jüngsten Buch Radikaler Universalismus jenseits von Identität (2022) tritt Boehm den ideologischen Verhärtungen der Gegenwart entschieden entgegen, nimmt Immanuel Kants Definition von Aufklärung als ,Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ beim Wort und unterzieht den westlichen Liberalismus, vor allem aber das Denken in Identitäten, die sich absolut setzen, einer kritischen Revision.“

In seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung am 20. März 2024 sagte Boehm:

„Es gibt noch jüdisch-palästinensische Freundschaften, und wo sie existieren, bieten die Forderungen, die sie stellen, Licht. Israelische und palästinensische Freunde konnten nicht so tun, als ob das, was am 7. Oktober geschah, in einem Vakuum geschehen wäre, ebenso wie sie wussten, dass es vor allem für stolze Palästinenser beschämend ist, von diesem Massenmord als ‚bewaffnetem Widerstand‘ zu sprechen. Meine palästinensischen Freunde wissen, dass jeder, der das, was mein Land in Gaza tut, ‚Selbstverteidigung‘ nennt, meine Identität zutiefst beschämt. “

In Bezug auf das deutsch-jüdische Verhältnis merkte er an:

„Und was ist mit der deutsch-jüdischen Freundschaft? Da, wo sie besteht, ist sie ein wahres Wunder, eines, das mir besonders am Herzen liegt. Aber dieses Wunder muss jetzt vor Entwertung geschützt werden. […] Wegen der Freundschaft muss die Wahrheit nicht geopfert werden, ganz im Gegenteil, harte Wahrheiten müssen offen ausgesprochen werden, denn wir sollen Freunde bleiben.“

In den ARD-Tagesthemen warb Boehm erneut für seine Idee einer bundesstaatlichen Föderation auf dem Gebiet des heutigen Staates Israel und der palästinensischen Gebiete. Diese Idee könne nicht in naher Zukunft Realität werden. „Es ist ein Ideal des Friedens, das wir bewahren können.“

Quellen: DW und Stadt Leipzig