Deutschland

Wissenschaft hat eine lange Tradition in Deutschland. Immer schon war sie zu einem wesentlichen Teil praktisch orientiert und brachte Erfindungen hervor, die das Leben der Menschen umwälzten. Aktuell hat Deutschland sich das Ziel gesetzt, bis 2025 3,5% des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, Carl Friedrich Gauss revolutionierte die Mathematik, Carl Benz entwickelte das erste Automobil. Wilhelm Röntgen entdeckte die (im Deutschen) nach ihm benannten Strahlen, Albert Einstein entwickelte die Theorie der Relativität. Justus von Liebig entdeckte den Dünger, Robert Koch den Tuberkuloseerreger. Emmy Noether brachte – als eine der wenigen Frauen ihrer Disziplin – die Mathematik auf dem Gebiet der Algebra entscheidend voran. Konrad Zuse erfand den Computer, Otto Hahn und Lise Meitner entdeckten die Kernspaltung. Die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Vollhard identifizierte die Gene, die den Körperbau fast aller Tiere bestimmen. Karlheinz Brandenburg, weniger bekannt, entwickelte das mp3-Format.

Rund zehn Prozent aller Nobelpreise gingen an deutsche Wissenschaftler. Zuletzt erhielt 2014 Stefan Hell den Nobelpreis für Chemie. Der in Deutschland geborene und in den USA lebende und arbeitende Biologe Joachim Frank wurde mit dem Nobelpreis für Chemie 2017 ausgezeichnet. Seit 1998 gingen fünf Nobelpreise für Physik, drei für Chemie und zwei für Medizin an deutsche Forscherinnen und Forscher.

Deutschland hat ein hoch entwickeltes Wissenschaftssystem mit insgesamt mehr als 1.000 öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen. Herausragende Wissenschaft wird an den über 400 Universitäten und Fachhochschulen geleistet. Aktuell sind über zweieinhalb Millionen Studierende an Hochschulen in Deutschland immatrikuliert; darunter mehr als elf Prozent aus dem Ausland. Die Hochschulen sind zum überwiegenden Teil organisiert in der Hochschulrektorenkonferenz. Über die zahlreichen Partnerschaften zwischen Deutschland und Israel informiert der Hochschulkompass

Über die Hochschulen hinaus sind vor allem die Institute der vier großen Wissenschaftsorganisationen in der Forschung aktiv. Hinzu kommen die eigenständigen Forschungszentren sowie Forschungsinstitutionen des Bundes und der Länder (ca. 40 Bundes- und 160 Länderforschungseinrichtungen). Einen Überblick zur Forschungslandschaft in Deutschland bietet die Seite Research in Germany; Informationen zu den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder finden sich darüber hinaus auf den Webseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Neben den durch Bund und Länder finanzierten Einrichtungen existieren zahlreiche privat finanzierte Forschungsinstitute.

Die Stärke der deutschen Wissenschaft liegt traditionell im Maschinenbau, in der Chemie, der Medizin, der Physik und der Mathematik. Aber auch Zukunftsdisziplinen wie die Umweltforschung, die Informations- und Kommunikationstechnologien, die Neurowissenschaften und die Biotechnologie, die optischen Technologien und die Mikrosystemtechnologie spielen eine wichtige Rolle. Nicht vergessen werden sollten auch die in Deutschland traditionell ebenfalls stark vertretenen Geistes- und Sozialwissenschaften.

Die Infrastruktur der Wissenschaft in Deutschland ist geprägt durch den Föderalismus und die Arbeitsteilung zwischen öffentlich finanzierten Institutionen und der Privatwirtschaft. Die Bundesregierung ist für die Förderung der wissenschaftlichen Forschung zuständig und regelt im Hochschulrahmengesetz die Grundlagen der Wissenschaftspolitik. Der Betrieb von Hochschulen zur Ausbildung von Studierenden fällt grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer.

Daneben engagiert sich der Bund vor allem durch die Bereitstellung von (zeitlich befristeten) Drittmitteln. Das zentrale Steuerungsinstrument für die Vergabe von Drittmitteln ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die unter anderem über die Einrichtung von Sonderforschungsbereichen zur notwendigen Bündelung von Forschungspotential beiträgt. Ein weiteres Förderprogramm des Bundes und der Länder ist die 2005 initiierte Exzellenzinitiative. Seit 2006 existiert außerdem die ressortübergreifende Hightechstrategie der Bundesregierung, die stetig an neue Herausforderungen angepasst wird. Die aktuelle Hightechstrategie 2025 zeigt Perspektiven auf, wie Deutschland seine Zukunft mit Forschung und Innovation erfolgreich gestalten kann. Dazu sollen sich Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch international vernetzen.

Darüber hinaus legt die Bundesregierung seit 2017 mit der neuen Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung die Grundlage für eine stärker vernetzte internationale Zusammenarbeit.

Über diese Programme hinaus ist es seit einer 2014 verabschiedeten Gesetzesänderung dem Bund möglich, auch unbefristet Forschungsprojekte von überregionaler Bedeutung an den Hochschulen zu fördern.

Darüber hinaus bündeln Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Netzwerken und Clustern.