Israel

Israel ist ein kleines Land mit geringen natürlichen Ressourcen. Schon früh entdeckten daher seine Gründerväter, allen voran Chaim Weizmann, der erste Präsident des Landes, menschliche Intelligenz und Wissenschaft als Schlüsselfaktoren. Das Daniel-Sieff-Forschungsinstitut, die Hebräische Universität Jerusalem, das Technion in Haifa und einige kleinere Einrichtungen entstanden bereits vor der Staatsgründung 1948. Auf ihnen konnte der Staat danach aufbauen.

Auf israelischer Seite prägen vor allem die forschungsstarken staatlich anerkannten Universitäten und das Weizmann Institute of Science (1934 als Daniel-Sieff-Forschungsinstitut gegründet) die Kooperation. Außerdem existiert ein Netz von öffentlichen Forschungseinrichtungen, darunter das Volcani Zentrum für landwirtschaftliche Forschung und weitere Zentren für Geophysik, Ozeanographie, Geologie (Earth Science Research Administration [ESRA]) und Biologie (Israel Institute for Biological Research [IIBR])sowie die israelische Weltraumagentur ISA. Die Zuständigkeiten für Wissenschaft liegen in zwei Ministerien: Das Wissenschaftsministerium (Ministry of Science and Technology – MOST) und das Wirtschaftsministerium (Ministry of Economy and Industry – MOE).

Im Jahr 2016 wurde die Israel Innovation Authority (IIA) eingerichtet. Sie ersetzt das „Office of the Chief Scientist“ (OCS) des Wirtschaftsministeriums, das seit Jahrzehnten die Regierungspolitik zur Förderung von industrienaher Forschung, Entwicklung, Innovation und Unternehmertum koordinierte und umsetzte. Die IIA soll Förderinstrumente und Richtlinien zum Forschungstransfer sowie zur Lizenzierung auf den Weg zu bringen. Sie verfügt über ein jährliches Budget von ca. 450 Millionen Euro. Die Israel Science Foundation (ISF) fördert mit etwa 160 Millionen Euro jährlich primär Grundlagenforschung an den Universitäten.

Die Dynamik der wissenschaftlichen Tätigkeit hat in den vergangenen Jahren noch einmal zugenommen. Das zeigt sich etwa an der Häufung von Nobelpreisen. Acht israelische Forscher haben in den vergangenen Jahren einen Nobelpreis erhalten: Daniel Kahnemann (Wirtschaft 2002), Aaron Ciechanover und Avram Hershko (Chemie 2004), Robert Aumann (Wirtschaft 2005), Ada E. Yonath (Chemie 2009), Dan Shechtman (Chemie 2011), Michael Levitt und Arieh Warshel (Chemie 2013).

Dahinter stehen gewaltige gesellschaftliche Anstrengungen: Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung in Höhe von 4,94 % des BIP wies Israel nach Angaben der OECD 2018 weltweit erneut den höchsten Wert auf. Berücksichtigt ist dabei ausschließlich zivile Forschung.

Laut Global Competitiveness Report 2019 gehört Israel nach wie vor zu den wettbewerbsstärksten Volkswirtschaften, und liegt erneut auf Rang 20 . Beim Innovationsindikator liegt das Land auf Position 15. Israels besondere Stärke liegt in seinem Innovationsumfeld, das eine besonders schnelle Umsetzung von Innovationen in Unternehmen ermöglicht.

Die Dichte der Hightech-Startups ist in Israel besonders hoch. Heute sind im Land ungefähr 3.000 überwiegend kleinere forschungs- und entwicklungsintensive Unternehmen aktiv, davon mehr als ein Drittel IT-Firmen. Schwerpunkt industrieller Forschungs- und Entwicklungstätigkeit sind die Bereiche Kommunikationstechnologie, Biotechnologie, Medizintechnik und Solarenergie. Eine entscheidende Rolle für den Erfolg israelischer Hightechfirmen spielen umfangreiche staatliche Förderungen, insbesondere durch das Wirtschaftsministerium.

Israel verfügt über 16 sogenannte iCore Center (Israeli Centers for Research Excellence): Diese Zentren verbessern die Forschungsinfrastruktur des Landes. Sie geben Wissenschaftler/-innen eine Plattform für intensive Forschung und internationale Kooperation.

Israel ist seit 1996 assoziiertes Land der EU-Rahmenprogramme für Forschung und Innovation. Die Assoziierung zum aktuellen Rahmenprogram Horizont2020 erfolgte am 8. Juni 2014. Israel ist auch Mitglied der europäischen Initiative für marktnahe Forschung und Entwicklung (EUREKA) sowie kooperierendes Mitglied der Initiative für europäische Kooperation in Wissenschaft und Technologie (COST) zur Förderung von forschungsnetzwerken. Für Kooperationen im europäischen Forschungsraum ist innerhalb der IIA das Israel-Europe Research and Innovation Directorate (ISERD) zuständig.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der hohe Anteil an privatem Risikokapital. Im Vergleich mit den EU-Mitgliedsstaaten liegt Israel bei der Mobilisierung von Wagniskapital heute an erster Stelle. Die Attraktivität Israels als Investitionsstandort zeigt sich weiterhin an den anhaltend hohen ausländischen Investitionen im Land, wovon nach wie vor ein großer Teil aus den USA stammt. Insbesondere der Hightech- und Biotechnologiebereich sind dauerhaft von hohem Interesse. Die positive Haltung ausländischer Investoren liegt auch darin begründet, dass der Firmenwert primär in Patenten und im Know-how der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt, die in Krisenfällen leicht ins Ausland verlagert werden können. Siemens, SAP, Volkswagen, Daimler, Deutsche Telekom, Bosch Siemens Hausgeräte, Henkel, BASF und Bayer sind die wichtigsten deutschen Investoren. Dieses Engagement zeigt sich auch in Forschungsverträgen mit israelischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.