Graphic History „Oberbrechen“ mit dem ICMA Book Award Silver ausgezeichnet

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Am 9. März 2026 wurden zum Auftakt der London Book Fair die 16. International Creative Media Awards (ICMA) verliehen. Die Graphic History „Oberbrechen: A German Village Confronts Its Nazi Past“, die die Historikerinnen Dr. Stefanie Fischer und Dr. Kim Wünschmann mit der Künstlerin Liz Clarke erarbeitet haben, erhielt in der Kategorie „Concept and Innovation“ den Silver Award.

Der ICMA Award honoriert herausragende und stimmige Buchgestaltung in allen Kategorien. Diese liegt vor, wenn Inhalt und Form zu einem überzeugenden Gesamtergebnis verschmolzen wurden. Ein ausgezeichnetes Buch ist sorgfältig durchkonzipiert und präsentiert sich in einem dem Inhalt angemessenen Format. Die Jury würdigt „Oberbrechen“ als innovativ besonders aufgrund des graphischen Forschens zur deutsch-jüdischen Geschichte und zum Holocaust in Geschichte und Wirkung.

Das Projekt „Oberbrechen. A German Village Confronts its Nazi Past“ untersucht anhand einer Mikrogeschichte des ländlichen Raums die Komplexität der Beziehungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern einer Dorfgesellschaft im 20. Jahrhundert. In ihrer Graphic History fragen die beiden Historikerinnen, wie in dem Mikrokosmos eines Dorfes die ganz „eigene“ antisemitische Gewaltgeschichte verhandelt und wie mit der allgegenwärtigen und dennoch meist unausgesprochenen Präsenz der Shoah umgegangen wurde. Wie wirkte sich die unterschiedliche Beteiligung an antisemitischer Ausgrenzung und damit die unterschiedliche lokale Gewalterfahrung auf die Wiederbegegnungen zwischen Vertriebenen und Gebliebenen sowie ihren Angehörigen aus?

Diese Fragestellungen werden anhand der Auswertung von Spruchkammer- sowie Restitutions- und Entschädigungssakten sowie eines reichhaltigen Korpus privater Quellen aus Familienarchiven erforscht. Die Aufarbeitung der Ergebnisse der Studie erfolgt zusammen mit der Illustratorin Liz Clarke in einer methodisch reflektierten Graphic History in der gleichnamigen Reihe des Verlags Oxford University Press. Das Genre der Graphic History erlaubt es nicht nur, Forschungsergebnisse eindrücklich zu visualisieren und damit ein breites Lesepublikum zu erreichen, sondern auch, neu über die Interpretation von Quellen in der Geschichtswissenschaft nachzudenken.

Das Buch ist erschienen im Verlag Oxford University Press. Das Forschungsprojekt wurde gefördert von der VolkswagenStiftung. 

Quelle: IGdJ