
Drei führende Forschungsorganisationen haben eine neue Einrichtung gegründet, die sich der Grundlagenforschung und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit über geografische und fachliche Grenzen hinweg widmet.
Das soll auf der Führungskompetenz, den Traditionen und den Ressourcen seiner drei Gründungspartner aufbauen: des Institute for Advanced Study (IAS) in den Vereinigten Staaten, der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland und des Weizmann-Instituts für Wissenschaften in Israel.
Das Forschungsprogramm des ARC soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt für einen Zeitraum bis zu einem Jahr zusammenbringen und ihnen die Zeit, den Raum und die Mittel zur Verfügung stellen, um gemeinsam an grundlegenden Fragestellungen aus den Natur- und Lebenswissenschaften sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften zu arbeiten. Das ARC soll bestehende Netzwerke stärken und neue Wege für die interdisziplinäre und grenzüberschreitende Zusammenarbeit erschließen. Damit sollen die Voraussetzungen für die Entstehung neuer Forschungsgemeinschaften und Forschungsfelder geschaffen werden.
Grenzüberschreitender Austausch von Ideen
Das ARC wird drei Programme entwickeln. Das Kernprogramm unterstützt Kooperationen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Das Explorationsprogramm bringt kleine Gruppen von Forschenden für einen intensiven Austausch zusammen, um neue Ideen zu erproben. Und das Postdoc-Programm bietet Nachwuchsforschenden die Möglichkeit, disziplin- und institutionsübergreifend zu arbeiten, ihre Karriere zu fördern und den grenzüberschreitenden Austausch von Talenten und Ideen zu stärken. Gemeinsam schaffen diese Programme neue Entfaltungsmöglichkeiten – von ersten Gesprächen bis hin zu ehrgeizigen, langfristigen Kooperationen.
„Kooperation ist nicht nur ‚nice to have‘ – sie ist unverzichtbar, wenn wir bei so vielen wichtigen und komplexen Fragen echte Fortschritte erzielen wollen“, so Alon Chen, Präsident des Weizmann-Instituts für Wissenschaften. „Ich könnte mir kein besseres Dreamteam aus Gründungseinrichtungen vorstellen, um ein derart ehrgeiziges Projekt zu verwirklichen, und ich bin gespannt, welche neuen Ideen und Wege sich in den kommenden Jahren ergeben werden.“
„Das ARC wird die erforderliche intellektuelle Bandbreite bündeln, um Fragen zu beantworten, die einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Fachbereiche oder Institutionen nicht so ohne Weiteres allein angehen könnten“, sagt Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. „Wir glauben, dass es internationale Netzwerke stärken und zur Entstehung neuer Forschungsgemeinschaften führen wird.“
„In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen die globale Wissenschaftsgemeinschaft spalten können und der Wert von Grundlagenforschung zunehmend in Frage gestellt wird, soll das ARC die Bedeutung einer offenen, unabhängigen und grenzüberschreitenden Forschung erneut unter Beweis stellen“, so David Nirenberg, Direktor des Institute for Advanced Study. „Unser gemeinsames Ziel, wissenschaftliche Spitzenleistungen zu erreichen, beruht auf dem freien Austausch von Ideen.“
Das ARC mit Sitz in Dahlem, Berlins historischem Zentrum wissenschaftlicher Entdeckungen, wird eine unabhängige Einrichtung sein. Seinem Vorstand werden Vertreter aus dem wissenschaftlichen Team aller drei Gründungsorganisationen angehören. Die ersten Direktoren sind Irit Dinur (Institute for Advanced Study), Nicole Dubilier (Max-Planck-Gesellschaft) und Ziv Reich (Weizmann-Institut für Wissenschaften). Anstatt eine dauerhafte Fakultät aufzubauen, soll das ARC sein Forschungsprogramm durch die von ihm zusammengebrachten Forschungsteams und ihrer Projekte kontinuierlich erneuern.
Auch aufgrund ihrer jeweiligen Geschichte haben sich diese Einrichtungen dem unabhängigen Streben nach Wissen auf höchstem Niveau verschrieben und institutionelle Formen gewählt, die sich von staatlichen Organisationen, aber auch traditionellen Hochschulen unterscheiden.
ARC-Verwaltungsdirektorin Alexandra Rosenbach soll den Betrieb des ARC leiten, wobei auch das historische Otto-Warburg-Haus wiedereröffnet werden soll. Es war das Forschungszentrum des Nobelpreisträgers von 1931 und soll der Hauptstandort für die Forschungsprogramme des ARC werden.
Ein „Beitrag zu Völkerverständigung“
Am 22. Oktober 2026 fand in Berlin eine Eröffnungsveranstaltung für das ARC statt, inklusive Podiumsdiskussion mit Alon Chen, Patrick Cramer und David Nirenberg. Keynote-Speaker war Steffen Seibert, der ehemalige deutsche Botschafter in Israel und vormalige Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Sprecher in der Regierung von Angela Merkel. Er wiederholte Albert Einsteins Forderung, „dass Einrichtungen, die den Interessen der Wissenschaft dienen, einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Einigung der Menschen leisten sollten“.
Steffen Seibert fügte an, dass „die drei Institutionen, die sich in diesem „Advanced Research Consortium“ zusammenschließen, etwas zutiefst Einstein’sches unternehmen. In einer Zeit, in der Verbindungen gekappt werden, sich Länder nach innen kehren und politische Konflikte die wissenschaftliche Zusammenarbeit überschatten – ja, sie sogar verdrängen –, haben Sie sich dazu entschlossen, zu beweisen, dass es noch eine andere Welt gibt: eine Welt jenseits dessen, was wir täglich auf unseren Fernsehbildschirmen und in unseren Nachrichten-Feeds sehen. […] es ist eine Welt von Wissenschaftlern, Forschenden und Wissenssuchenden, die ihren grenzüberschreitenden Austausch mit aller Kraft verteidigen. Und die weiterhin daran glauben, dass genau darin die Zukunft der Menschheit liegt.“
Quelle: MPG