
Mehr als 1.000 Akteure sind in einer Zelle daran beteiligt, wenn genetische Information in Proteine übersetzt wird. Ein neues deutsch-israelisches Forschungsprojekt arbeitet daran, deren jeweilige Aufgabe zu identifizieren.
Wenn in den Zellen des Menschen genetische Information aus dem Zellkern ins Zellplasma transportiert und dort in Proteine übersetzt werden soll, kommt einem bestimmten Molekül eine zentrale Rolle zu: der mRNA – vom englischen messenger RNA oder übersetzt: der Boten-RNA. Damit diese mRNA ihre Arbeit nach Plan erledigen kann, benötigt er allerdings jede Menge Unterstützung. Rund 1.000 unterschiedliche Beteiligte hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren identifiziert, die an diesem Prozess mitwirken.
Deren Funktion und Struktur detailliert zu entschlüsseln, hat sich ein neues deutsch-israelisches Forschungsprojekt zum Ziel gesetzt. Daran beteiligt sind Forschungsgruppen der Universitäten in Regensburg und Würzburg sowie am in Israel in der Nähe von Tel Aviv. Professor Utz Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie, ist an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) dafür verantwortlich.
Die Erkenntnisse, die Fischer und seine Kollegen in den kommenden Jahren gewinnen wollen, sind breit einsetzbar. Schließlich lassen sich daraus Schlüsse über die normale und die fehlerhafte Entwicklung von Organismen ziehen. Die Prozesse spielen eine Rolle bei Infektionen und bei der Entstehung von Tumoren. Auch für die Entwicklung neuer Impfstoffe sind sie relevant.
„Wie sich in der Coronapandemie gezeigt hat, sind mRNAs von enormer Bedeutung für die Entwicklung neuer Vakzine“, erklärt Utz Fischer. Dabei sei das Verständnis von Sequenzelementen und mRNA- Modifikationen Voraussetzung für das Design von stabilen und planmäßig arbeitenden mRNAs. Aus diesem Grund werden die vier Forschungsgruppen nicht nur die Funktion RNA-bindender Proteine erforschen. Anliegen ihres Programms ist es auch, stabilisierende beziehungsweise destabilisierende RNA-Elemente und -Modifikationen zu identifizieren und zu testen.
Auf 5 Jahre ist das Forschungsprojekt „“ angelegt; dafür stehen den vier beteiligten Gruppen insgesamt 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Neben Utz Fischer sind daran beteiligt: Professor Gunter Meister, Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie der Uni Regensburg, sowie die Professoren und RNA-Experten Igor Ulitsky und Schraga Schwartz vom nce in Israel.
Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF); die wissenschaftliche und administrative Verantwortung – und damit auch die Entscheidung über die Genehmigung – liegt in der Zuständigkeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG im Rahmen der Deutsch-Israelischen Projektkooperation (DIP).
Quelle und weitere Informationen: Universität Würzburg