
Das Dreieck aus Deutschland, Israel und Palästina ist seit langem geprägt von ungelösten moralischen Altlasten, geopolitischen Verflechtungen und widersprüchlichen Narrativen von Trauma und Gerechtigkeit. Die interdisziplinäre Konferenz „The Unholy Trinity: Germany, Israel, Palestine – Memory, Politics, and Responsibility Across Entangled Histories“ will die komplexen historischen, politischen und ethischen Beziehungen zwischen diesen drei Räumen beleuchten und hinterfragen – Beziehungen, die oft von Widersprüchen, Unbehagen und tiefgreifenden Machtasymmetrien geprägt sind.
Das Sussex Weidenfeld Institute of Jewish Studies lädt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, zu untersuchen, wie sich die Erinnerung an den Holocaust, die Nakba, den Exodus der Juden aus arabischen Ländern und die britische Kolonialherrschaft überschneiden, miteinander konkurrieren oder sich gegenseitig verstärken und damit die aktuellen Debatten über Verantwortung, Wiedergutmachung und Solidarität prägen. Ein besonderes Interesse gilt Beiträgen, die sich damit befassen, wie Deutschlands Nachkriegskultur der Holocaust-Erinnerung und ihr politisches Bekenntnis zu Israel (heute in Deutschland als „Staatsräson“ dargestellt) angesichts der jüngsten Entwicklungen in Israel/Palästina neu beleuchtet werden – und wie diese Dynamiken den öffentlichen Diskurs über Antisemitismus, Islamophobie, Rassismus und historische Gerechtigkeit sowohl in Europa als auch im Nahen Osten prägen. Gleichzeitig sind die Veranstalter an kritischen Reflexionen über das britische imperiale Erbe in Palästina und dessen Nachwirkungen in politischen, akademischen und kulturellen Institutionen interessiert – insbesondere hinsichtlich der Gestaltung des diskursiven und materiellen Terrains, auf dem sich diese Debatten heute entfalten.
Mögliche Themen sind unter anderem (jedoch nicht beschränkt auf):
- Deutschlands Erinnerungskultur und ihr Verhältnis zur aktuellen israelischen Staatspolitik
- Die Instrumentalisierung der Holocaust-Erinnerung im politischen Diskurs
- Die Rolle deutscher und europäischer Institutionen in Israel/Palästina
- Perspektiven auf das Gedenken an den Holocaust und an die Nakba
- Das Erbe des britischen Kolonialismus in Palästina und seine heutigen Auswirkungen
- Das „Importieren“ des Konflikts: akademische, aktivistische und kulturelle Reaktionen in Europa
- Postkoloniale und dekoloniale Kritiken an nationalen Erinnerungsregimen
- Jüdische und palästinensische Diaspora-Perspektiven auf Europa und Deutschland
- Die Ethik und Politik der Solidarität in Zeiten von Krieg und Besatzung
- Meinungsfreiheit, Zensur und institutionelle Neutralität im akademischen Bereich
- Wiedergutmachung, historische Gerechtigkeit und konkurrierende Opferansprüche
Das Sussex Weidenfeld Institute begrüßt interdisziplinäre Vorschläge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Geschichte, Erinnerungsforschung, politische Theorie, postkoloniale Studien, Jüdische Studien, Nahoststudien, Kulturwissenschaften und verwandten Fachgebieten. Besonders willkommen sind Beiträge, die nationale oder disziplinäre Grenzen überschreiten oder sich kritisch nuanciert und mit wissenschaftlicher Verantwortung in schwierige Diskurse einbringen.
Das Sussex Weidenfeld Institute gewährt eine Reisekostenpauschale von bis zu 300 £ für Teilnehmende aus Europa und 150 £ für Teilnehmende aus dem Vereinigten Königreich. Bewerberinnen und Bewerber aus Israel, den Vereinigten Staaten und anderen außereuropäischen Ländern werden berücksichtigt, können jedoch gebeten werden, sich an ihren Reisekosten zu beteiligen. Die Unterkunftskosten werden für alle Studierenden übernommen.
Teilnahmerichtlinien
Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs wird ermutigt, sich für den Workshop zu bewerben.
Bitte reichen Sie Ihren Vorschlag bis zum 15. Oktober 2026 als ein einziges PDF-Dokument ein. Die Bewerbungen sollten Folgendes enthalten:
- Eine Zusammenfassung (max. 300 Wörter)
- Eine kurze Biografie (max. 150 Wörter)
- Eine kurze Angabe zu Ihren voraussichtlichen Reise- und Unterbringungsbedürfnissen
Bitte richten Sie Ihre Einreichungen sowie informelle Anfragen an: Gideon Reuveni (g.reuveni@sussex.ac.uk) und Fabian Weber (f.weber@sussex.ac.uk).
| Datum | 14. bis 16. Dezember 2026 |
| Ort | Brighton |
| Veranstalter | Sussex Weidenfeld Institute of Jewish Studies, University of Sussex |
Bewerbungsschluss: 15. Oktober 2026